Der lange Weg des Kakaos


Wenn ich erzähle, dass ich wieder nach Ecuador fahre, dann kommt oft die Bemerkung: ach ja, um Schokolade einzukaufen…Nein, normalerweise fliegen wir nicht nach Ecuador, um dann mit Kisten voller Schokolade zurückzukommen, die Bestellungen funktionieren per mail und die Schoki kommt dann im Container.

Wir reisen nach Ecuador, um Zeit mit unseren Partnern zu verbringen, natürlich auch um Organisatorisches zu besprechen, über Qualität zu reden, eventuelle Probleme zu diskutieren, aber hauptsächlich  um einige Tage gemeinsam zu verbringen, das Leben und die Schwierigkeiten vor Ort wirklich zu verstehen. Aber dieses Mal war es tatsäcMeetinghlich etwas anders: ich bin in die Rolle des Kakaoankäufers geschlüpft, und habe dann den Kakao nach Salinas de Guaranda begleitet, um dort direkt die Annahme mitzuerleben. Und obwohl ich Ecuador gut kenne und auch weiss, wie alles abläuft und welche Schwierigkeiten auftreten können, ist es doch immer wieder lehrreich, selbst dabei zu sein:

Javier VorbereitungSonntag: Verabredung mit allen Produzenten von Tesoro Escondido zur Kakaoanlieferung; Javier, braucht einige Stunden, bis seine Säcke gut gepackt, etikettiert und auf die Maultiere verladen sind; Saecke fertig

gegen späten Nachmittag sind fast alle Produzenten angekommen, die Waage muss noch schnell repariert werden, die Qualitätskontrolle zeigt, dass der Kakao sehr gut ist; dann kommen zwei der Produzenten mit dem Motorrad aus dem Dorf, sie waren beim Arzt, da Patricio hohes Fieber hatte; sie gehen jetzt erst zu ihrer Finca zurück ( 2 Stunden Marsch) und versprechen am nächsten Morgen um 8Uhr30 mit ihrem Kakao da zu sein.kauf

Die Kakaosäcke werden über Nacht in einer Hütte unter der Obhut von einem der Söhne Javiers gelassen, dieser kommt allerdings erst nach Einbruch der Dunkelheit von eindokumenteem Fest aus dem Dorf zurück, Javier ist sauer.
Abends bereiten wir noch die Dokumente vor, rechnen den endgültigen Kaufpreis aus und visualisieren die Kalkulation, damit allen klar ist, wie der Preis zustande kommt und wem wieviel zusteht, die Rechnung darf dann nur mit blauem Stift geschrieben werden, darf keinerlei Verbesserungen aufweisen,

Montag 11Uhr: endlich kommen Patricio und Yadira, schnell erledigen wir alles, und los geht es; das Auto ist ordentlich beladen, zu dritt sitzen wir hinten auf der Ladung, sitzplatzviel bequemer jedenfalls als auf der nackten Ladefläche, trotzdem muss man sich während der nächsten 5 Stunden immer wieder eine neue Position suchen, denn aufgrund der vom Regen aufgeweichten, und holprigen Schotterstrasse wird man ganz schön durchgerüttelt.….mal brennt die Sonne, mal regnet es, pauseda ist die kurze Pause mit einer frischen Kokosnuss und dem Schokoladenmus von Santa wilkommen;zum Glück erreichen wir noch kurz vor der Mittagspause die Fähre, so dass wir keine unnnötige Zeit verlieren.faehre
18Uhr, wir erreichen, das Haus von Javiers Mutter, wo wir die Nacht verbringen; Javiers Bruder, der die Mutter Tag und Nacht betreut, freut sich, weil er nun eine Nacht “frei” hat.

Dienstag: Aufstehen um 5Uhr, los geht es Richtung Hochland, zum Glück sind noch nicht so viele Autos und Laster unterwegs, kaum Nebel, so dass die kurvige Fahrt auf einer der unfallreichsten Strassen Ecuadors ohne grosse Schreckmomente verläuft;
8Uhr, endlich auf der Panamericana, erstmal frühstücken, Javier geht es nicht gut, er hat Fieber, hat keinen Appetit; beim Frühstück schauen wir Nachrichten: ein Bericht über Zika; Javier fragt sich, ob er wohl damit infiziert ist; mit einem Paracetamol geht es ihm etwas besser.
chimborazopIch übernehme trotzdem das Steuer; auf der Fahrt wunderbare Ausblicke auf den Chimborazo, wilde Vicuna grasen neben der Strasse;
Um 11Uhr Anruf in der Schokoladenfabrik: Johanna, die Chefin, sagt uns, dass wir uns beeilen müssen, denn um 12Uhr schliessen sie, denn es wurde im Ort kurzfristig eine Karnevalsveranstaltung angesetzt…
12Uhr05 wir kommen an, laden schnell die Säcke ab, noch geschafft, Javier geht es wieder schlechter, er besteht aber dara20160202_170946uf trotzdem nach dem Mittagessen wieder zurückzufahren. 17Uhr Samuel und Anita, unsere langjährigen Partner,Kakaoproduzenten und anerkannte Kakaofachleute, kommen an; wir sitzen zusammen mit den Technikern von der Fabrik zusammen und verkosten den Kakao, machen die Fermentationskontrolle; Samuel ist beeindruckt, super Qualität; er hat die Produzenten aus Tesoro ausgebildet und ist glücklich, wie schnell und effizient ssalinasie seine Ratschläge umgesetzt haben.
21Uhr Javier ruft vom Haus seiner Mutter an, er ist gut angekommen, es geht ihm aber immer noch schlecht
Mir geht es auch nicht gut, ich vertrage die Höhe nicht, auf 3500m ist die Luft dünn
Mittwoch: Gespräch mit Johanna: Planung der Produktion, Logistik; sie stellt fest, dass die Rechnungen nicht korrekt sind, wir mussen sie nochmal machen.., dann Meeting mit Jorge, dem Produktionschef: die letzte Kuvertüre war sehr zähflüssig, wir versuchen herauszufinden, wo der Fehler liegt, mehrere Fehlerquellen, werden identifiziert, Jorge wird entsprechende Proben machen.
Am Nachmittag ruft Javier an, im Krankenhaus haben sie Chingungunya diagnostiziert, aber es geht ihm etwas besser, am nächsten Tag wird er wieder nach Tesoro fahren.